Luca und Paul im Gespräch über ihre Erfahrungen im Weltcup, die bevorstehende Saison und die Olympischen Spiele 2014

Der Aufstieg in die Snowboardcross-Nationalmannschaft erfolgte für Luca (Jg. 1993) und Paul Berg (Jg. 1991) vor gut einem Jahr. In der Saison 2012-13 waren beide fester Bestandteil im deutschen Snowboardcross Weltcup-Aufgebot. Die Geschwister Berg sind somit der beste Beweis, dass es Nachwuchsathleten mit genügend Willen und Einsatz vom ersten Snowboardkurs des heimischen Skiclubs – im Falle von Luca und Paul der SC Konstanz – über den Schüler- und Landeskader (go4snow/SBW-Snowboard) bis in die Junioren-Nationalmannschaft und schließlich in die Nationalmannschaft (Snowboard Verband Deutschland) schaffen können. Kommende Woche starten die beiden mit ihren Team-Kollegen, Trainern und Betreuern in das Schneetraining in Saas-Fee/Schweiz. Zeit den beiden ein paar Fragen zu stellen.

 go4snow: Luca, Du konntest dich vergangene Saison mit Platz 11 beim Weltcup-Auftakt im Montafon/Österreich sowie Platz 12 in Telluride/USA direkt für die Snowboard-Weltmeisterschaft Ende Januar 2013 in Stoneham/Kanada qualifizieren. Dort kam das abrupte und schmerzliche Saison-Aus: Kreuzbandrisses beim WM-Training. Wie sieht dein persönlicher Rückblick auf die Saison 2012-13 aus?

Luca: Ich bin mit der vergangenen Saison eigentlich zufrieden. Mein Ziel war es in den Weltcup reinzuschnuppern und dort Fuß zu fassen. Platz 11 und 12 haben mir gezeigt, dass ich Anschluss an das Feld bei den Damen habe. Die Kurse im Weltcup haben mir getaugt und ich habe gemerkt, dass ich damit klar komme und dass ich die Kontrolle habe. Das mit der Verletzung ist halt schade.

Wie ist die Reha nach der Verletzung verlaufen? Wie fit bist Du momentan wieder?

Luca: Ich bin wieder voll einsatzfähig. Bei der Reha gab es Hochs und Tiefs, vor allem bis mal alles angelaufen ist. Ein Großteil der Reha hat in Oberstdorf mit den Sportwissenschaftlern vom Olympiastützpunkt Oberstdorf stattgefunden. Die haben mich die meiste Zeit betreut. Ich hatte sehr viel Physiotherapie hier im Allgäu und das ist alles gut gelaufen. Seit rund eineinhalb Monaten darf ich beim Training wieder alles machen. Wir hatten schon einige Fitnesstests und Untersuchungen. Bei manchen Tests bin ich aus der Reha fitter rausgekommen als zuvor.

go4snow: Paul, bei Dir ging die Saison eher mäßig los und Du hattest in entscheidenden Momenten manchmal auch einfach Pech. Gegen Ende der Saison konntest Du immer öfter dein Können unter Beweis stellen. So bist Du bei der Weltcup-Qualifikation Anfang März in Arosa/Schweiz in die Top10 gefahren. Wie sieht dein persönlicher Rückblick auf die Saison 2012-13 aus? Und welchen Einfluss hatten die Verletzungen deiner Teamkollegen David Speiser und Maxi Stark beim Weltcup-Auftakt für dich?

Paul: Natürlich hatten die Verletzungen von David und Maxi Auswirkungen für mich. Wir sind mit vier Herren in den Weltcup gestartet und nach dem ersten Rennen waren nur noch Konsti Schad und ich übrig. Das hat die Gruppendynamik geschwächt wenn nur noch zwei da sind die sich gegenseitig pushen können. Und so lag der Fokus auch mehr auf mir. Eigentlich hatte ich gedacht, dass David, Maxi und Konsti wie in der Saison 2011-12 vorne im Weltcup mitfahren und ich in meiner ersten kompletten Weltcup-Saison ein bisschen in deren Windschatten mitfahren und mich so Schritt für Schritt in den Weltcup hineintasten kann. Die beiden Verletzungen gleich zu Beginn haben auf die Stimmung im Team gedrückt, weil wir so die gesetzten Ziele nicht erreichen konnten. Von Weltcup zu Weltcup bin ich besser zurechtgekommen und ich hoffe, dass es kommende Saison weiterhin immer ein bisschen besser läuft.

go4snow: Kommende Woche startet ihr wieder mit dem Schneetraining. Wie sah das Training im Frühjahr und im Sommer aus? Wo lagen die Schwerpunkte?

Paul: Vor allem im Kraftaufbau und der Kraftausdauer, je nachdem wo die persönlichen Defizite lagen. Bei mir ist es eher der Kraftblock, nicht der Ausdauerblock, gewesen. Wir waren viel Skateboarden und Turnen. Dann hatten wir noch zwei Actionsport-Lehrgänge mit Brücken springen, Highline gehen und Gleitschirm fliegen. Das war ziemlich cool. Und Rad fahren waren wir natürlich.

paul_skateboard

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go4snow: Alle werden schon ganz aufgeregt wenn das Wort Winter 2013-14 fällt. Im Februar finden die Olympischen Spiele in Sochi/Russland statt. Ihr beide wart schon einmal (Luca) beziehungsweise zweimal (Paul) für Europacup- und Weltcup-Rennen in Sochi. Wie war es dort? Wie ist die SBX-Strecke?

Luca: Was mich ehrlich gesagt ein bisschen geschockt hat ist die Tatsache, dass man vom Flughafen kommt und nur durch die Pampa fährt und auf einmal taucht dieses komplett neu errichtete Olympiaviertel auf. Das wurde auf dem Nichts aus dem Boden gestampft. Das Skigebiet an sich ist super, auch zum Freifahren ist es da echt schön. Der Europacup-Kurs war auch super, einer der besten die ganze Saison über. Große Sprünge und eine gute Streckenführung, das passt soweit gut zusammen. Wie es letzte Saison beim Weltcup war kann ich nicht sagen, da bin ich ja leider verletzt ausgefallen. Die Russen hatten jetzt zwei Jahre lang Zeit um sich weiter vorzubereiten und ich glaube, dass das bei Olympia ein guter Kurs ist.

go4snow: Um bei den Olympischen Spielen an den Start gehen zu können, müssen die Athleten internationale sowie nationale Qualifikationskriterien erfüllen. Und die sind nicht ohne bei den Snowboardcrossern in Deutschland: Bei den Damen und Herren einmal Platz 1 bis 12 oder zweimal Platz 1 bis 16 in den Weltcups bis zum 19.01.2014. Wie schätzt ihr eure Chancen ein, die Qualifikationskriterien erfüllen zu können?

Luca: Bei mir ist die wichtigste Frage, wie mein Knie nach dem Kreuzbandriss beim Snowboarden funktioniert? Wenn das alles gut läuft und ich ohne Probleme Vollgas geben kann bin ich zuversichtlich. Mit meinen beiden ersten Weltcup-Resultaten von letzter Saison hätte ich die Olympia-Qualifikation erfüllt. Wenn ich es schaffe an die Leistungen von letzter Saison anzuschließen dann denke ich, dass ich das schon erreichen kann. Ab Sonntag sind wir im Schnee und dann sehen wir weiter.

 

Paul: Ich muss auf jeden Fall noch einen Schritt nach vorne machen, wenn ich die Qualifikationskriterien erfüllen will. Ich muss meine persönliche Bestleistung abrufen, da vergangene Saison mein bestes Weltcup-Resultat Platz 18 war. Möglich ist es meiner Meinung nach, aber es liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor mir. Die Olympia-Qualifikation ist natürlich mein großes Ziel. Das Team und ich sind hoch motiviert dieses Ziel zu erreichen.

go4snow: Ehemalige go4snow’ler bei den Olympischen Spielen – das wäre ein Traum und würde beweisen, dass das vorhandene Nachwuchssystem in Baden-Württemberg zwar klein, aber fein ist – und bis nach ganz oben führen kann. Wir drücken euch für die Weltcups fest die Daumen, dass das mit der Olympia-Qualifikation funktioniert.

Seit eurer Zeit bei go4snow hat sich hier einiges getan. Ihr wart die ersten reinen Snowboardcross Kader-Athleten in Baden-Württemberg damals und gehört zur ersten Snowboardcross-Generation am Skiinternat Oberstdorf. An was denkt ihr bei eurer Zeit beim SC Konstanz beziehungsweise bei go4snow gerne zurück?

Paul: Es war eine lustige Zeit. Alles war so unbeschwert und ist sehr spielerisch abgelaufen. Und das ist gut so. Es waren die Anfänge, da hat noch nicht alles immer so gut gepasst. Die Infrastruktur hat sich seit den Anfängen enorm entwickelt. Es war toll neben der Schule immer viel Snowboarden gehen zu können und wir hatten es eigentlich immer lustig miteinander.

 

Luca: Ich kann mich da dem Paul nur anschließen. Wir haben in der Zeit sehr viel gelernt, auch mit sich selbst klar zu kommen, weil man ja viel von zu Hause weg ist. Ich bereue nichts und bin froh, dass ich das so gemacht habe. Auch der Wechsel ans Skiinternat Oberstdorf. Da hat man sich am Anfang schon viele Gedanken gemacht, ob das die richtige Entscheidung war. Aber gerade der Wechsel hat mich persönlich weitergebracht, weil man selber mehr Verantwortung tragen und auch einige Dinge selber regeln musste, welche man so in der normalen Schulzeit zu Hause nicht regeln musste. Aus der Doppelbelastung Schule-Sport habe ich vor allem gelernt, dass man sich die Zeit gut einteilen muss. Der Spaßfaktor war immer hoch und ich würde nichts rückgängig machen wollen.

go4snow: Was könnt ihr den aktuellen go4snow-Kids, welche auch den Sprung zum SVD und ans Skiinternat Oberstdorf erreichen wollen, an Tipps und Erfahrungen mit auf den Weg geben?

Luca: Man darf auf keine Fall die Freude und den Spaß am Sport verlieren. Das ist das Schlimmste was passieren kann. Man muss schon wissen auf was man sich einlässt und dass es schon anstrengend wird. Man muss es wirklich wollen. Wenn man in der Schule gut ist hilft das natürlich. Fleißig sein und sich die Zeit gut einteilen. Das Privatleben darf nicht zu kurz kommen, sonst wird der Spaßfaktor irgendwann zu gering, wenn man keine Zeit für sich hat.

 

Paul: Man darf da keine Berührungsängste haben. Das ist alles nur halb so wild, wie es manchmal von außen erscheinen mag. Klar ist es Leistungssport, aber ich sehe es mehr als Hobby, welches bei mir zum Beruf geworden ist. Solange man Spaß an der Sache hat passt das alles. Snowboarden und Snowboardcross ist eine vielfältige Sportart für die Du zahlreiche Dinge können musst, da ist immer Abwechslung dabei. Die Kids sollen viel Sport machen, viele verschiedene Sportarten, viele verschiedene Bewegungsformen erlernen.

go4snow: Vielen Dank für das Gespräch und euch beiden einen guten Start ins Schneetraining. 

thorsten

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